Kinder und Jugendliche mit ADHS oder Autismus sind in nahezu allen Bereichen der Kinder und Jugendhilfe vertreten. Sie leben in Wohngruppen, werden durch ambulante Hilfen begleitet, befinden sich in Inobhutnahmen oder werden durch Jugendämter und freie Träger unterstützt. Trotzdem richtet sich ein großer Teil der Fortbildungsangebote zu ADHS und Autismus weiterhin an Schulen oder Kindertagesstätten. Die spezifischen Anforderungen der Kinder und Jugendhilfe stehen dagegen deutlich seltener im Mittelpunkt.
Dabei stellt gerade dieses Arbeitsfeld Fachkräfte täglich vor komplexe Herausforderungen.
Wenn Verhalten falsch eingeordnet wird
Jugendliche mit ADHS oder Autismus werden häufig als unmotiviert, provozierend, respektlos oder oppositionell wahrgenommen. Tatsächlich können dieselben Verhaltensweisen aber Ausdruck einer Reizüberflutung, eingeschränkter exekutiver Funktionen, einer hohen Stressbelastung oder von Kommunikationsbesonderheiten sein.
Wer die zugrunde liegenden Mechanismen kennt, bewertet Situationen oft völlig anders.
Aus einer vermeintlichen Arbeitsverweigerung wird möglicherweise eine Überforderung. Aus einer Eskalation wird ein Ausdruck fehlender Selbstregulation. Aus einem Rückzug wird kein Desinteresse, sondern der Versuch, sich vor weiterer Überlastung zu schützen.
Diese Perspektive verändert nicht nur die Haltung gegenüber jungen Menschen, sondern häufig auch den Erfolg pädagogischer Maßnahmen.
Kinder und Jugendhilfe stellt besondere Anforderungen
Während Lehrkräfte Kinder meist nur einige Stunden am Tag begleiten, arbeiten Fachkräfte in Wohngruppen oder stationären Einrichtungen oft rund um die Uhr mit den Jugendlichen zusammen.
Sie erleben Krisen, Konflikte, Aggressionen, Schlafprobleme, Familienkontakte, Arzttermine und den gesamten Alltag.
Dadurch entstehen Fragestellungen, die in klassischen Fortbildungen häufig nur am Rande behandelt werden.
Beispiele sind:
- Wie lassen sich Reizüberflutung und Überforderung frühzeitig erkennen?
- Welche Rolle spielen exekutive Funktionen im Alltag einer Wohngruppe?
- Wie können Strukturen geschaffen werden, ohne unnötige Machtkämpfe auszulösen?
- Welche Kommunikationsstrategien fördern Kooperation?
- Wann ist herausforderndes Verhalten Ausdruck einer akuten Überlastung?
- Wie gelingt die Zusammenarbeit mit Eltern, Jugendamt, Schule und Kinder und Jugendpsychiatrie?
Neurodivergenz und Traumafolgen unterscheiden
Viele Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe haben belastende Lebensereignisse erlebt. Gleichzeitig liegen bei einem Teil zusätzlich ADHS, Autismus oder andere neuroentwicklungsbedingte Besonderheiten vor.
Traumafolgen und Neurodivergenz können sich in einzelnen Bereichen ähneln, sind jedoch nicht dasselbe.
Eine sorgfältige Einordnung ist wichtig, weil sich daraus unterschiedliche pädagogische und therapeutische Konsequenzen ergeben. Pauschale Erklärungsmodelle werden der Lebensrealität der betroffenen Jugendlichen häufig nicht gerecht.
Fachwissen schafft Handlungssicherheit
Fachkräfte wünschen sich in schwierigen Situationen vor allem eines: Sicherheit.
Wer versteht, warum bestimmte Verhaltensweisen entstehen, kann angemessener reagieren, Eskalationen häufiger vermeiden und tragfähige Beziehungen aufbauen.
Neurodivergenzsensible Pädagogik bedeutet dabei nicht, alle Regeln aufzugeben oder Verhalten unkritisch zu betrachten. Vielmehr geht es darum, fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen und pädagogische Maßnahmen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Jugendlichen auszurichten.
Fortbildungen sollten den Berufsalltag widerspiegeln
Fortbildungen für die Kinder und Jugendhilfe sollten sich an den konkreten Fragestellungen des Arbeitsalltags orientieren.
Dazu gehören unter anderem:
- ADHS und Autismus in stationären Wohngruppen
- Neurodivergenz in den Hilfen zur Erziehung
- Kommunikation in Krisensituationen
- Deeskalation und Beziehungsarbeit
- Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Kinder und Jugendpsychiatrie
- Übergänge zwischen Jugendhilfe, Schule und Erwachsenenhilfe
- Fallbeispiele aus der Praxis
Gerade der Austausch über reale Situationen aus dem Berufsalltag hilft dabei, theoretisches Wissen in praktische Handlungskompetenz zu übersetzen.
Unser Fortbildungsangebot
Wohnzimmer Neurodivers bietet Inhouse Fortbildungen für Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe, Jugendämter, freie Träger, Wohngruppen, ambulante Hilfen, Schulen, Kindertagesstätten sowie weitere Einrichtungen an.
Die Inhalte werden individuell an die jeweilige Zielgruppe angepasst und verbinden den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand mit konkreten Praxisbeispielen.
Sie möchten Ihr Team zu ADHS, Autismus oder Neurodivergenz fortbilden?
Sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam entwickeln wir eine Fortbildung, die zu den Herausforderungen Ihrer Einrichtung passt.