Sozialkontakte zu haben und zu pflegen ist für viele Menschen im Autismus-Spektrum eine Herausforderung für sich. Geräuschkulissen, Lichtverhältnisse, Gerüche und vieles mehr machen es schwer bis unmöglich, an Sozialem teilzunehmen. Von Unwohlsein über körperliche Symptome bis hin zum sich nicht zugehörig fühlen, befinden sich Betroffene daher immer wieder im Zwiespalt. Denn häufig ist es keinesfalls so, dass der Wunsch nach Kontakt nicht existiert. Ganz im Gegenteil: Die Frage ist nur, wie man diesen Kontakt herstellen soll, ohne dabei an die eigenen Grenzen zu stoßen.
Gemeinsam statt einsam
Um Menschen aus dem Autismus-Spektrum einen Ort zu bieten, an dem sie sich unter Gleichgesinnten und gemeinsam den vielen Herausforderungen des Sozialkontakts stellen können, entstand im Spätsommer 2025 die Stuttgarter Selbsthilfegruppe LIAS – Leben im Autismus-Spektrum. Hauptziel dieser Gruppe ist es, nicht nur über das zu sprechen, was die Betroffenen bewegt, sondern einen Raum der Toleranz und gegenseitigen Unterstützung zu schaffen. Wichtiger Bestandteil neben den Gruppentreffen vor Ort sind daher regelmäßige Treffen außerhalb der Räumlichkeiten von KISS. Das Besondere an diesen Treffen ist, dass dort nicht nur die Mitglieder der KISS-Gruppe willkommen sind, sondern auch deren Freunde, Familien und Angehörige sowie andere Personen aus dem Spektrum.

Kooperation mit dem Wohnzimmer
Ein glücklicher Zufall wollte es so, dass LIAS von Anfang an Kooperationspartner des Wohnzimmers Neurodivers sein konnte. Die Vorteile, die dies mit sich brachte, waren enorm. Denn alle Gruppenmitglieder hatten die Möglichkeit, kostenlos dem Forum des Wohnzimmers beizutreten. Neben dem Austausch vor Ort und auf den Treffen eröffnete sich somit ein Raum der beinahe grenzenlosen Möglichkeiten.
Dankenswerterweise erhielt LIAS auf dem Forum gleich zwei geschlossene Gruppenräume für den internen Austausch. Eine für die exklusive Kommunikation mit den Mitgliedern und eine weitere für all jene, die sich nach Kontakt und Austausch sehnen, aber keine regelmäßigen Gruppentreffen brauchen. Innerhalb weniger Monate zählte diese breite LIAS-Gruppe im Wohnzimmer 28 Mitglieder. Ohne die großzügige Zurverfügungstellung des Raumes im Forum des Wohnzimmers, wäre LIAS niemals so schnell gewachsen.
Daher sagen wir an dieser Stelle im Namen aller LIAS-Mitglieder:
Danke für das herzliche Willkommenheißen im Wohnzimmer!
Danke für die Zurverfügungstellung der Plattform!
Danke für all die schönen Treffen, die wir mithilfe des Wohnzimmers 2025 auf die Beine stellen konnten!«

Schmetterling: Foto: D. Taubenböck
Beitragsbild: LIAS-Mitglieder beim gemütlichen Spaziergang durch den Wildtierpark. Foto: A. Fuchs
Einblicke unserer erfolgreichen Selbsthilfe 2025
Stimmen & Bilder

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Gemeinsame Waldspaziergänge mit unserer Gruppenleitung, die beim Tierheim Stuttgart ehrenamtliche Gassigeherin ist, taten allen Vier- und Zweibeinern auf diversen Ebenen gut. Foto: S. Fuchs
Treffen im Wald
Zu den regelmäßigen Unternehmungen von LIAS zählen Spaziergänge kleiner Gruppen von zwei bis vier Personen pro Mal. Dies wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die körperliche wie auch seelische Gesundheit aus.
Für mich bieten Selbsthilfe und Austausch mit Gleichgesinnten: eine Gruppe, einen Raum, eine Möglichkeit, um ich selbst zu sein; mit geringerer/keiner Sorge vor Ablehnung. Dort weiß ich, dass die Chance besteht, dass ich so angenommen werde, wie ich bin. Während ich das bislang nur bei Mann/Familie/Freunden erleben konnte, habe ich durch die Begegnung mit anderen Betroffenen bei LIAS und dem Wohnzimmer erfahren, dass dies auch in anderen sozialen Räumen möglich ist. Das ist viel wert für mich.
LiS, Gründungsmitglied von LIAS

Begegnungen mit Tieren hatten wir unter anderem am Max-Eyth-See in Stuttgart. Foto: S. Fuchs
Ausflüge an Seen und in Tierparks
Über den Interessenaustausch im Forum des Wohnzimmers stellte sich schnell heraus, dass viele von uns Tiere lieben. Dies gab uns letztlich den Mut, gemeinsame Treffen unter Menschen zu realisieren, unter anderem am Max-Eyth-See in Stuttgart oder auch im Wildtierpark Bad-Mergentheim.
Im Alleingang hätten das viele von uns nicht geschafft. Daher sind wir hierauf besonders stolz!
Mein ganzes Leben fühle ich mich unwohl unter Menschen. Insbesondere das Zusammensitzen in Räumen, beim Essen aber auch Ausflüge gehen immer mit einer hohen körperlichen wie auch seelischen Belastung einher. Durch die Selbsthilfe lerne ich Personen kennen, denen es genauso geht und es ist eine Entlastung, die ich nicht in Worte fassen kann.
Was mich am meisten überrascht hat: Unter ihnen fühle ich mich nicht ansatzweise so angespannt und gestresst. Ich kann ich sein, bei Bedarf allein sein, immer unterstützt, immer ohne Wertung. Das ist ein wahrhaft großes Geschenk für mich.
Anni, Gründungsmitglied und Gruppenleitung von LIAS; Mitglied beim Wohnzimmer Neurodivers