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Wohnzimmer Neurodivers – und unser Fokus auf ADHS und Autismus. Passt das zusammen?

Auf den ersten Blick klingt das nach einem Widerspruch: Unser Name spricht von Neurodiversität, unser Schwerpunkt liegt auf ADHS und Autismus. Das eine beschreibt unsere Haltung, das andere unseren Arbeitsauftrag – hier erklären wir, wie beides zusammengehört.

Bunte Köpfe – Neurodiversität

Die Begriffe

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden

Neurodiversität

Beschreibt die neurologische Vielfalt aller Menschen – so wie es in der Natur biologische Vielfalt gibt. Der Begriff stammt nicht aus der Medizin, sondern aus der Betroffenenbewegung der 1990er-Jahre. Er betrifft alle, nicht eine bestimmte Gruppe.

Neurodivergenz

Meint etwas Konkreteres: einzelne Menschen, deren Neurologie deutlich von dem abweicht, was gesellschaftlich als „Norm” gilt. Während Neurodiversität das große Ganze beschreibt, benennt neurodivergent die einzelnen Ausprägungen darin.

Jedes Gehirn ist anders.

Was alles unter Neurodivergenz fallen kann

Neurodivergenz ist viel mehr als ADHS und Autismus. Sie kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen. Dazu zählen unter anderem:

ADHSAutismusLegasthenieDyskalkulieDyspraxieDysgraphieTouretteHochsensibilitätund vieles mehr
Regenschirm

Wie wir das Konzept verstehen

Für uns ist Neurodiversität vor allem eine Haltung, kein Etikett. Ein anders funktionierendes Gehirn ist kein Fehler, der korrigiert werden müsste, sondern Ausdruck von Vielfalt. Häufig liegt das eigentliche Problem nicht im Menschen, sondern in einer Umwelt, die fast ausschließlich auf eine vermeintliche „Normalität” zugeschnitten ist – feste Strukturen, reizüberflutete Räume, enge Erwartungen daran, wie man „zu funktionieren” hat.

Deshalb steht unser Name „Wohnzimmer Neurodivers” bewusst für diese Haltung – und nicht für eine enge Zielgruppenbeschreibung. Der Name geht damit absichtlich weiter als unser inhaltlicher Schwerpunkt.

Warum konzentrieren wir uns trotzdem nur auf ADHS und Autismus?

Weil wir eine Selbsthilfeorganisation sind – und das ist kein loser Zusammenschluss, sondern ein geförderter Rahmen mit klaren Spielregeln.

Selbsthilfe, die von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert wird (geregelt in § 20h SGB V), muss sich auf konkrete Erkrankungen beziehen – nicht auf ein breites gesellschaftliches Thema, sondern auf klar benannte Diagnosen. Nur mit diesem Bezug können wir Fördermittel erhalten, Leistungen ermöglichen und verlässliche Strukturen für unsere Mitglieder aufbauen.

Dazu kommt ein praktischer Grund: Wir wollen lieber wenige Themen wirklich gut begleiten als alles ein bisschen. Eine bewusste Eingrenzung erlaubt uns Tiefe, Fachlichkeit und echten Austausch. Für uns sind diese Themen ADHS und Autismus.

Erkrankung – und doch keine. Unser Spannungsfeld.

Hier gibt es einen Widerspruch, zu dem wir ehrlich stehen, statt ihn zu verstecken. Auf der einen Seite sind ADHS und Autismus für uns keine Defizite, die einen Menschen „falsch” machen. Wir betrachten die Menschen dahinter nicht in erster Linie als krank, sondern als Teil der menschlichen Vielfalt.

Auf der anderen Seite müssen wir formal mit Krankheitsbegriffen arbeiten. Anders geht es nicht: Ohne anerkannte Diagnosen gäbe es keine geförderte Selbsthilfe, keine Leistungen der Krankenkassen, keine Strukturen, die tragen. Wir lösen diesen Widerspruch nicht auf – wir halten beide Seiten zusammen: die medizinische Form, die auf dem Papier nötig ist, und die menschliche Haltung, die unsere Arbeit prägt.

Diagnosen geben Orientierung – erklären aber nicht alles

Eine Diagnose kann sehr hilfreich sein: Sie hilft, sich selbst besser zu verstehen und Zugang zu Unterstützung zu bekommen. Aber sie erklärt nicht alles. Viele Erfahrungen überschneiden sich über Diagnosegrenzen hinweg – Reizverarbeitung, Erschöpfung, Kommunikation, Struktur im Alltag. Deshalb ist uns der Austausch über diese Grenzen hinweg oft wichtiger als eine strikte Trennung.

Was Selbsthilfe für uns bedeutet

Wir orientieren uns an Diagnosen, weil sie Zugang zu Unterstützung ermöglichen – und an Erfahrungen, weil sie im Alltag entscheidend sind. Selbsthilfe heißt für uns: Informationen zugänglich machen und Austausch ermöglichen, ohne festzulegen, wie jemand zu sein hat. Ein Ort, an dem niemand sich erklären oder beweisen muss.

Unendlichkeitszeichen – Neurodiversität

Und warum „Wohnzimmer”?

Ein Wohnzimmer ist kein Fachbegriff – es ist ein alltäglicher Ort. Einer, an dem man nicht funktionieren muss. Man darf einfach da sein, wie man ist. ❤

Lern die Menschen hinter dem Verein kennen →

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