„They ask no questions and pass no criticism.“ – Warum Haustiere für viele im Autismus-Spektrum so wichtig sind

Haustiere sind für viele Menschen weit mehr als nur Tiere im Haushalt. Sie geben Struktur, Nähe, Ruhe und Gesellschaft. Doch welche Rolle spielen sie für Erwachsene im Autismus-Spektrum?

Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung liefert dazu spannende Einblicke.

Die Studie

In einer britischen Studie wurden 735 Erwachsene befragt – 326 davon im Autismus-Spektrum, 409 ohne Autismus. Die Forschenden wollten wissen:

  • Wer besitzt Haustiere?
  • Wie stark ist die emotionale Bindung zum Tier?
  • Und gibt es einen Zusammenhang zwischen Haustierbesitz und Wohlbefinden?

Die Ergebnisse wurden 2022 im Journal of Autism and Developmental Disorders veröffentlicht.

Zentrale Erkenntnisse

Autistische Erwachsene sind genauso stark an ihre Haustiere gebunden wie neurotypische Erwachsene

Die Studie zeigt: Die emotionale Bindung zu Haustieren ist bei autistischen Erwachsenen nicht geringer, sondern vergleichbar stark wie bei Menschen ohne Autismus.

Autistische Erwachsene besitzen seltener ein Haustier

Obwohl die Bindung sehr stark ist, besitzen autistische Teilnehmende insgesamt etwas seltener Haustiere. Gründe dafür können z. B. Überforderung, Wohnsituation oder Verantwortung sein.

Haustiere übernehmen häufig eine besondere soziale Rolle

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass autistische Erwachsene ihre Haustiere häufiger als soziale Ressource erleben.

Viele beschrieben, dass Tiere eine Form von Nähe und Gesellschaft bieten, die nicht an soziale Erwartungen, Bewertungen oder Missverständnisse gebunden ist.

Der Titel der Studie greift eine typische Aussage der Teilnehmenden auf:

„They ask no questions and pass no criticism.“

„Sie stellen keine Fragen und üben keine Kritik.“

Diese Beschreibung bringt gut auf den Punkt, warum Haustiere für viele Menschen im Autismus-Spektrum eine besondere Bedeutung haben.

Zusammenhang mit Wohlbefinden

Personen mit Haustier – sowohl autistische als auch neurotypische – berichteten in der Studie im Durchschnitt von höherer Lebenszufriedenheit als Personen ohne Haustier.

Die Studie zeigt keinen kausalen Beweis dafür, dass Haustiere „glücklich machen“. Sie zeigt jedoch deutlich einen Zusammenhang zwischen Haustierbesitz, emotionaler Bindung und subjektivem Wohlbefinden.

Warum das wichtig ist

Diese Ergebnisse zeigen, dass Haustiere für Erwachsene im Autismus-Spektrum nicht einfach nur Begleiter sind, sondern häufig eine stabile, urteilsfreie und verlässliche soziale Präsenz darstellen.

Eine Form von Beziehung, die weniger komplex, weniger anstrengend und gleichzeitig sehr verbindend sein kann.

Wie erlebst du das?

Welche Rolle spielt dein Haustier für dich?

Ist es Gesellschaft, Struktur, Ruhe oder etwas ganz anderes?

Atherton, G., Edisbury, E., Piovesan, A. et al.‘They ask no questions and pass no criticism’: A mixed-methods study exploring pet ownership in autism. J Autism Dev Disord 53, 3280–3294 (2023). https://doi.org/10.1007/s10803-022-05622-y