Schwedische Studie untersucht Zusammenhang zwischen Frühgeburt und Autismus

Die Studie über Frühgeburt und die erbliche Anlage für Autismus wurde von einer Gruppe Forschender am KIND (Center of Neurodevelopmental Disorders) am Karolinska Institut in Stockholm, Schweden durchgeführt und am 2. Oktober 2025 in der Fachzeitschrift Genome Medicine (Volume 17, Artikelnummer 108) bei Springer veröffentlicht.

Carolin Kerberg

Ziel der Studie

Die Forschenden wollten untersuchen, welche Auswirkungen die genetische Veranlagung und Frühgeburt auf eine Autismus-Spektrum-Störung haben.

Haben zu früh geborene autistische Kinder komplexere Bedürfnisse?

Es geht in der Studie um autistische Kinder, die mehr als drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt gekommen sind. Kinder, die zu früh geboren wurden und im Laufe ihres Lebens mit Autismus diagnostiziert wurden, sollen laut der Studie komplexere Bedürfnisse haben. Mit komplexeren Bedürfnissen sind ein erhöhter Unterstützungsbedarf und beispielsweise mehrere gleichzeitig auftretende Erkrankungen gemeint. Verglichen wurden die zu früh geborenen Kinder mit autistischen Kindern, die um den Geburtstermin herum geboren wurden.

Genetische Unterschiede spielen keine Rolle

Was dabei für die Forschenden besonders war: Es wurden keine genetischen Unterschiede festgestellt. Die Forschenden sind davon ausgegangen, dass Frühgeborene weniger genetische Faktoren aufweisen, die mit Autismus verbunden sind.

Früherkennung von Autismus durch KI

Die Forschenden entwickelten für die Studie ein KI-basiertes Lernmodell, das die Wahrscheinlichkeit von Autismus bei Frühgeborenen bereits kurz nach der Geburt abschätzen soll. Das KI-basierte Lernmodell orientiert sich dabei an klinischen und genetischen Daten, die die Forschenden erhoben haben. Die Forschenden schauten sich neben dem Erbgut verschiedene Merkmale an, zum Beispiel: Gab es Probleme bei der Geburt? Welches Geschlecht hat das Kind? Hat das Kind Krankheiten durch die Geburt bekommen? Sie erhoffen sich dadurch, Früherkennungsinstrumente für zu früh geborene Kinder in klinischen Umgebungen weiterzuentwickeln.

Ausblick

Die Forschenden empfehlen, dass frühgeborene Kinder bei gesundheitlichen Untersuchungen auch auf ihre Gene getestet werden sollen. Dadurch können Ärztinnen und Ärzte eine Autismus-Spektrum-Störung früher erkennen. Zudem kann der Test auch dabei helfen, die richtige Förderung für das Kind zu planen.

Quelle

Zhang, Y., Yahia, A., Sandin, S. et al. Prematurity and genetic liability for autism spectrum disorder. Genome Med 17, 108 (2025). https://doi.org/10.1186/s13073-025-01552-3

Hinweis
Carolin Kerberg bereitet ehrenamtlich die Inhalte wissenschaftlicher Studien für uns auf. Ziel ist es, Betroffene auf möglichst verständliche Art und Weise über Aktuelles aus Psychiatrie, Psychotherapie, Medizin und Forschung zu informieren.

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