Hunderte Patienten ohne Arzt: Zur Schließung des medizinischen Versorgungszentrums für Neurologie und Psychiatrie mind in Stuttgart

Seit April häufen sich in Stuttgart die Meldungen von Patienten, die beim mind Zentrum für Neurologie und Psychiatrie vor verschlossenen Türen stehen. Termine finden nicht statt, Informationen sind rar, Fragen gibt es viele. Während bislang ein Aushang über die “Schließung aus betrieblichen Gründen” informierte, steht nun fest: Das Medizinische Versorgungszentrum mind wird nicht wieder öffnen. Hunderte Patienten stehen ab sofort ohne Arzt da. Zu den Betroffenen zählen chronisch Kranke, die auf regelmäßige Versorgung bei Spezialisten angewiesen sind. Die Lage ist ernst und noch immer unübersichtlich.

Annine Fuchs

Was ist passiert?

Im Februar 2026 verstarb der alleinige Geschäftsführer des mind Zentrums für Neurologie und Psychiatrie. Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass es allerdings bereits im Vorjahr Probleme finanzieller Natur gegeben habe. Im März sollen Gehälter ausgeblieben, und dann auch zunehmend Mahnschreiben eingegangen sein.

Die Türen zu den Praxisräumen sind seit April geschlossen. Weder telefonisch noch per E-Mail ist jemand zu erreichen, Terminabsagen erreichen unzählige Betroffene gar nicht erst. Ohne Nachfolgeregelung blieb auch der Zugang zu den Konten verwehrt. Nach fast einem Monat der Ungewissheit steht nun fest: Ein Anwalt übernimmt die Geschäftsführung, die Insolvenz wird beantragt werden.

Wo gibt es Hilfe?

Für Betroffene wurde eine Notfallsprechstunde im VALEARA Neurozentrum Stuttgart eingerichtet, die aus gegebenem Anlass zunehmend überlaufen ist. Neben langen Wartezeiten ist daher damit zu rechnen, dass man es an einem anderen Tag erneut versuchen muss.

Wohnzimmer Neurodivers e.V. rät Betroffenen daher dazu, sich schnellstmöglich einen neuen Facharzt zu suchen. Die Situation zu erklären, kostet Kraft. Eine Praxis fernab der überlaufenen Notsprechstunde bei VALEARA hat aber gegebenenfalls die Möglichkeit, schneller und vor allem dann auch wieder langfristig zu helfen.

Je nach Krankheitsbild kann zur Überbrückung auch der Hausarzt ein erster Ansprechpartner sein.

Vorerst kein Zugriff auf Patientenakte

Neben dem Problem der neuen Arztsuche und den damit verbundenen langen Wartezeiten auf neue ärztliche Betreuung, ist zudem die Frage nach der Patientenakte Hauptsorge der Betroffenen. Zwar ist man grundsätzlich dazu berechtigt, unverzüglich Einsicht in seine eigenen Akten zu erhalten, allerdings hat aktuell niemand Zugriff darauf. So ist derzeit auch eine Übergabe der Patientenakte an einen neuen Arzt, selbst trotz erteilter Einwilligung des Patienten, nicht möglich.

Diese Situation ist für Betroffene über alle Maßen belastend. Trost findet sich diesbezüglich nur in der Tatsache, dass es in Deutschland eine Aufbewahrungspflicht ärztlicher Unterlagen über mindestens zehn Jahre gibt. Diese gilt auch über ein Praxisende hinaus. Verloren gehen die Daten also nicht. Es bleibt bloß Sache des Insolvenzverwalters, wie letztlich mit den Krankendaten verfahren werden wird.

Behandlungsdaten, Diagnosecodes und abgerechnete Leistungen bei der Krankenkasse erfragen

Suboptimal, aber definitiv besser, als gar nichts in der Hand zu haben, ist die sogenannte Patientenquittung. Dabei handelt es sich um eine Übersicht aller in Anspruch genommenen Leistungen bei der Krankenkasse. Diese ist ist nach § 305 SGB V verpflichtet, ihren Versicherten Auskunft über all ihre Behandlungen zu geben. Bei den meisten Krankenkassen besteht mittlerweile die Möglichkeit, diese Anfrage digital zu stellen oder sie sogar selbst direkt herunterzuladen.

Auch eine Aufstellung der Behandlungsdaten und Diagnosecodes lässt sich bei der Krankenkasse einholen.

Zusätzlich prüfen kann man, ob und inwiefern Informationen über die Elektronische Patientenakte zu erhalten sind.

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