Austausch auf Augenhöhe: Vertreterinnen von Wohnzimmer Neurodivers an der Summer School SPIRIT der Universität Duisburg-Essen

Vertreterinnen von Wohnzimmer Neurodivers bei der Summer School SPIRIT

Die Summer School SPIRIT ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Bildungsformat, das vom Institut für Geschlechtersensible Medizin (IGSM) der Universität Duisburg-Essen organisiert wird. Vom 1. bis 5. September 2025 kamen 20 Teilnehmende aus Medizin, Psychologie und anderen Gesundheitsberufen in Essen zusammen, um sich mit dem Thema „Geschlechtswendigkeit psychischer Erkrankungen“ auseinanderzusetzen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich psychische Erkrankungen wie ADHS, Depression oder Essstörung in verschiedenen Geschlechtern unterschiedlich zeigen – und was das für Diagnostik, Behandlung und Versorgung bedeutet.

Die Teilnehmenden arbeiteten in Vorträgen, Workshops und Gruppenphasen an konkreten Konzepten zur Verbesserung der geschlechtersensiblen Versorgung. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge von Betroffenen, Selbsthilfegruppen und Simulationspersonen. Auch wir als Selbsthilfeorganisation waren eingeladen, unsere Erfahrungen in diesen Austausch einzubringen.

Perspektiven aus der Selbsthilfe im Dialog mit Wissenschaft und Praxis

Wohnzimmer Neurodivers wurde als bundesweite Selbsthilfeorganisation gezielt eingeladen, um die Perspektive von Betroffenen in die Diskussion einzubringen – insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen bei der Diagnostik von ADHS bei Frauen.

Am Dienstag, den 2. September 2025, nahmen zwei Vertreterinnen von Wohnzimmer Neurodivers, Juliane und Nora, an einem interaktiven Programmpunkt teil. Neben ihnen waren auch ein Mann mit Depressionserfahrung und ein weiterer mit Essstörungserfahrung eingeladen. Gemeinsam kamen sie mit Teilnehmenden aus verschiedenen Gesundheitsberufen – darunter Ärzt:innen, Therapeut:innen, Lehrende und Forschende – in den Austausch.

In mehreren Gesprächsrunden berichteten die beiden über ihre persönlichen Erfahrungen mit ADHS bzw. AuDHS, über den oft langen Weg zur Diagnose und über Hürden und Ressourcen in der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung. Sie thematisierten auch, wie sehr sich das heutige Diagnoseverständnis noch immer an männlich geprägten Symptombildern orientiert und welche Auswirkungen das für Frauen und nicht-binäre Personen haben kann.

Die Rückmeldungen aus dem Fachpublikum waren offen, interessiert und wertschätzend. Der Austausch war lebendig und geprägt von gegenseitigem Respekt. Es wurde deutlich, wie wichtig die Perspektive von Betroffenen für ein vertieftes Verständnis psychischer Erkrankungen ist – insbesondere in Bezug auf geschlechtsspezifische Unterschiede.

Im Anschluss nahm Nora auch an der nachmittäglichen Einheit teil, in der ein Anamnesegespräch mit einer Schauspielerin simuliert wurde. Sie beobachtete die Szene gemeinsam mit weiteren Teilnehmenden und gab im Anschluss eine Rückmeldung aus ihrer Sicht als Betroffene. Ihre Einschätzung wurde im Plenum als sehr bereichernd aufgenommen.

Die Ergebnisse und Perspektiven aus den Gesprächen sollen in Fachzeitschriften dokumentiert werden – und wir freuen uns, dass die Sichtweise der Selbsthilfe dort mit einfließt. Für uns als Organisation war die Einladung zur Summer School SPIRIT ein starkes Zeichen für gelebte Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Forschung, Versorgung und Selbsthilfe.

🔗 Weitere Informationen zur Summer School SPIRIT und zum IGSM gibt es auf der offiziellen Webseite des Instituts:
👉 https://www.uni-due.de/igsm/index1.php

📷 Bildnachweis: Universität Duisburg-Essen / SPIRIT Summer School
Verwendung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung über die Veranstaltung.